Danke an Herrn Prof. Tiefenthaler Heinz, welcher uns das Erlebnis eines Gastfluges in einem Segelflugzeug in folgenden Bericht schildert!
Ein unvergesslicher Segelflug!
Am Sonntag, den 20. April 2008, habe ich den Gutschein für einem Mitflug im Segelflugzeug eingelöst, den mir meine Kollegen zu meiner Versetzung in den Ruhestand geschenkt hatten.
An diesem Tag war sonniges, warmes Wetter mit leichtem Südföhn und einzelnen Cumuluswolken am blauen Himmel über Tirol. Ausgerüstet mit warmen Pullover, einer Mütze gegen die Sonneneinstrahlung unter der Plexiglashaube des Cockpits, Sonnenbrille und Fotoapparat sind wir um ca. 12 Uhr vom Flughafen Innsbruck gestartet. Mein Pilot, Walter Wartlsteiner, hat mir erklärt, wie ich mich als vollkommener Laie während des Flugs zu verhalten habe, in die Bedienung des umgeschnallten Fallschirms wurde ich eingewiesen. Für alle Notfälle hatte ich sicherheitshalber ein paar Plastiksackerl eingesteckt.

Ein einmotoriges Motorflugzeug hat uns beim Start in Rchtung Westen hochgeschleppt, in der Gegend von Zirl wurde gewendet und dann entlang der Nordkette geflogen. Im Bereich der Seegrube wurde dann das Schleppseil ausgeklinkt, das Motorflugzeug hat sich verabschiedet, ab jetzt musste ich mich nur noch auf das Können und die Erfahrung von Walter verlassen, mit der Hoffnung auf günstige Winde. Vielleicht sollte ich auch bekennen, dass mich bei ausgesetzten Bergtouren oder allein beim Blick von einer hohen Brücke die Höhenangst befällt.

Interessanterweise hat mich diese Angst im Cockpit zu keinem Zeitpunkt gequält. Vielmehr habe ich die herrliche Aussicht auf Tirol, später dann Salzburg und die Steiermark genossen. Schneebedeckte Berge, von denen einzelne Skitourengeher grüßten, dunkle Waldhänge an den Bergflanken, grüne Wiesen im Tal mit den Bächen, Flüssen und tiefblauen Seen, bunten Häusern im Spielzeugformat, Straßen im Tal, Forstwege, die sich in Kehren die Anhänge hinauf schlängeln.
Unser Flug hat uns Richtung Osten, entlang der Nordkette geführt. Immer wieder habe ich Walter gefragt, ob nicht der Abstand zur Felswand zu gering ist. Tatsächlich waren es aber immer ausreichende 100 bis 200 Meter. Nach Anmeldung und Genehmigung des Towers am Flughafen Innsbruck haben wir die Luftstraße des Inntals gequert und sind ins Zillertal weitergeflogen. Für unsere geplante Flugroute war offensichtlich das Erreichen der notwendigen Flughöhe im Bereich Gerlosspass - häufig eine Wetterscheide - ein Knackpunkt. Walter hat dies perfekt gemeistert. Über Zell am See durchs Salzburger Land führte unsere Route dann in die Steiermark. Links unten lag die beeindruckende Szenerie des Steinernen Meers, gerade voraus das mächtige Dachsteinmassiv. In diesem Bereich tummelten sich viele andere Segelflugzeuge, die genauso wie die Drachenflieger und Paragleiter diesen schönen Frühlingstag nutzten.

Wir hatten den Umkehrpunkt unseres Fluges erreicht. Zurück ging es auf einer ähnlichen Route nach Innsbruck.
Beeindruckend für mich war, wie es Walter immer wieder geschafft hat, Bereiche mit ausreichender Thermik zu finden, in denen wir uns dann mit 2 bis 3 m/s Steiggeschwindigkeit bis in Höhen von mehr als 3.000 m hochgeschraubt haben. Viel Erfahrung mit den Wetterverhältnissen und den kleinräumigen Luftströmungen im Gebirge, Bereichen mit Thermik und tragenden Aufwinden, gehört dazu. Beeindruckend wie ein erfahrener Pilot diese findet und nutzt, um Höhe zu gewinnen. Dort angekommen wurde dann eine "tragende Linie" gesucht, die uns dann ohne große Höhenverluste - wie einer Perlenkette aufgereihte Thermikbereiche - weitergetragen hat.
Faszinierend für mich war, ohne Motor, nur mit Windenergie, nahezu lautlos, in knapp fünf Stunden mehr als 390 km zu fliegen. Beeindruckende Aussichten auf unser Land von oben zu genießen, getragen von Aufwinden und anderen Luftströmungen, gekonnt genutzt von einem erfahrenen Piloten.

Ein unvergessliches Erlebnis,
dafür herzlichen Dank!
Heinz Tiefenthaler

