Nachdem es im Jahr 2009 nicht geklappt hatte, war das Ziel des Ausfluges für 2010 klarerweise wieder Südengland. Mit einer, gegenüber dem Vorjahr reduzierten Teilnehmerzahl von 6 Mann und der Flotte von 3 Katanas konnte das Vorhaben wie geplant am 12.Juni bei schönstem Wetter in Innsbruck gestartet werden. Bereits im Bereich Arlberg / Hohenems mussten wir unter einer geschlossenen Wolkendecke bei Regen in sehr britischen Wetterverhältnissen fliegen, die wir eigentlich erst nach der Überquerung des Ärmelkanals erwartet hatten. Trotzdem, es ging. So erreichten wir unseren ersten Tankstop in Colmar. Zwar nicht alle gleichzeitig, aber wir kamen an. Am selben Tag ging es, bei teilweise wieder recht marginalen Wetterbedingungen quer durch Frankreich zum kurzfristig ausgesuchten Übernachtungsziel, Chartres. Die Stadt stellte sich als ungeplanter Zufallstreffer heraus. Nicht nur, dass keine Landegebühren kassiert wurden. Auch der Ort mit unglaublicher Kathedrale und nächtlicher Lichtprojektionen auf die Selbige waren beeindruckend.
Am zweiten Tag ging es die restliche Strecke bis zur französischen Normandieküste mit Ziel Mont Saint Michel. Dieses Weltkulturerbe wurde natürlich aus der Luft genauer angeschaut. Die Landung auf dem in unmittelbarer Nähe befindlichen Grasplatz Avranche verhinderten kurz vor dem Aufsetzen eine ganze Herde Schafe, die sich vom "Röhren" unserer drei Katana- Motoren samt tiefstem Überflug nicht vertreiben liessen. Egal. Etwas weiter nördlich landeten wir zum Tankstop am Flugplatz Granville. Nachdem das Wetter nicht besser sein konnte, entschlossen wir uns, noch am selben Tag den Ärmelkanal zu überqueren. Da der Flug über die Kanalinseln nur ein kurzer Umweg war, machten wir die entsprechenden Flugpläne mit Zwischenstop auf der kleinsten der drei Inseln, Alderney. Der VFR Flug durch den Luftraum A (!) wurde als "Special VFR" genehmigt. Nur die gewünschte Routenführung über Jersey und Guernsey ließ sich bei ATC nicht durchsetzen. Der Anflug auf Alderney war aber sensationell und schlicht eine Augenweide. Sattes grün, halbmondförmige Buchten, tiefblaues Wasser... Nach einem Kurzbesuch des einzigen Ortes der Insel ging es mit griffbereiten Schwimmwesten rund eine Flugstunde über den Ärmelkanal mit Tagesziel Exeter. Wir waren in England angekommen!!!
Am nächsten Tag konnte das eigentliche Ziel, eine Rundreise über Cornwall bis Lands End wegen aufliegender Wolken an der nördlichen Küste nicht durchgeführt werden. An der Südküste scheinte die Sonne. Also blieben wir dort und flogen entlang der Küste an herrlichen Klippen und schneeweissen Kreidefelsen zur Isle of Wight. Auch hier begrüßten uns wunderschöne Kreideklippen und sattes Grün. Da musste man einfach ein paar Steilkreise hineinzirkeln und die unvergleichliche Landschaft ganz aus der Nähe anschauen... Nach einer ausgiebigen Pause mit Wanderung auf der Insel schaute es schon aus, als ob uns das Wetterglück verlassen würde. Dunkle Wolken kündigten Regen oder Gewitter an. Am späten Nachmittag hoben wir mit Ziel Shoreham ab, und flogen an der Küste wieder in der Sonne. Für die Übernachtung liessen wir uns in den bekannten Badeort Brighton bringen. Auch das war wieder ein Volltreffer. Die einmalige Architektur, die endlose Strandpromenade und die leicht bekleideten jungen Leute ließen uns vergessen, dass wir in einem Land waren, in dem es angeblich ständig regnet.
Der nächste Tag führte uns zuerst an der Küste vorbei an den Kreideformationen der Seven Sisters weiter ins Landesinnere Richtung Norden. An London in Sichtweite zum City Airport vorbei wurde das Zwischenziel Stapleford bei dichtem Luftverkehr im "Overhead- Join" angeflogen. Dieses Verfahren ist recht speziell, in GB aber offensichtlich weit verbreitet. Der nächste, kurze Flug führte uns nach Duxford. Das dortige Luftfahrtmuseum ist tatsächlich unglaublich. Concorde, SR71 Blackbird, B52 Bomber usw. und jede Menge fliegende, historische Raritäten. Eine sensationelle Ausstellung, die bereits für sich eine Reise wert ist! Unser Übernachtungsziel Cambridge erreichten wir bereits nach rund 10 Minuten Flugzeit. Nur Zimmer war keines zu bekommen. Es waren gerade die Jahres- Abschlussfeiern der zahlreichen Colleges in Gang. Dank einer sehr bemühten Dame am Flughafen fanden wir eine tolle Übernachtungsmöglichkeit in einem typisch englischen Hotel etwas außerhalb.
Am nächsten Tag genossen wir zuerst die Universitätsstadt Cambridge und hatten die Gelegenheit, in eines der 31 (!)Colleges ein wenige genauer reinzuschauen. Auch hier wieder unglaubliche Eindrücke! Nachdem das Wetter immer noch sehr gut war, und wir die angepeilten Ziele in England alle bereits erreicht hatten, entschlossen wir uns, an diesem Tag noch den Sprung über den Ärmekanal zu machen. Nach einem problemlosen Flug über Dover Richtung Calais landeten wir bei sehr heftigem, böigem Wind in Le Touquet, Paris Plage. Ein Zollflugplatz mit Kontrollzone, an diesem Tag aber ohne ATC und daher ohne Freigabe anzufliegen war für uns alle schon etwas verwunderlich. Aber in Frankreich ist fliegen noch wesentlich einfacher als wir es gewohnt sind. Unsere Katanas durften wir kostenlos im Hangar des dortigen Aeroclub unterstellen, was wir in Anbetracht des Windes gerne annahmen. Das Wetter war auch hier wieder ausgesprochen schön. So konnten wir abends den weitläufigen Sandstrand und später ausgezeichneten Fisch in einem darauf spezialisierten Restaurant genießen.
Am Donnerstag war wieder die Durchquerung Frankreichs angesagt. Eine ganze Reihe von militärischen, restricted Areas musste durchquert werden. Ein ausgiebiger Notamcheck war daher nötig. Anfangs noch bei schönem Wetter, konnten wir als Mittagsziel Reims problemlos erreichen. Nach dem Mittagessen mussten wir aktive Tieffluggebiete in 800 ft unterfliegen. Die obere Grenze von 2500 ft war wegen der tiefen, geschlossenen Wolkendecke nicht möglich. Schon ein etwas mulmiges Gefühl, wenn man immer wieder Militärjets auf selber Höhe herumfliegen sieht... Einen kleinen Schreck gab es noch, als wir uns plötzlich im Tiefflug über einem offensichtlich militärisch genutzten Gelände wiederfanden. Wir waren in der unübersichtlichen Luftraumstruktur, in eine weitere, glücklicherweise zu diesem Zeitpunkt nicht aktive restricted Area geraten. Durch die geringe Flughöhe war kein Kontakt mit FIS möglich gewesen, was das verhindert hätte. Das Tagesziel, Straßburg Neuhof, wurde dann ohne weitere Zwischenfälle problemlos erreicht. Nach einem Besuch der Altstadt mit dem spektakulären Dom wurde der Tag bei einem vorzüglichen Essen abgeschlossen.
Das Wetter und der Wetterbericht für das ganze Wochenende waren alles andere als erfreulich. Bei sehr tiefer, geschlossener Bewölkung starteten wir in Straßburg und versuchten, entlang des Rheintales einen offenen Talflugweg durch den Schwarzwald zu finden. Es stellte sich als zu riskant heraus und so landeten wir in Freiburg. Nachdem keine Aussicht auf Besserung für die gesamte restliche Strecke auf Tage im Voraus bestand, entschlossen wir uns, die braven Katanas in Freiburg stehen zu lassen. Die vorläufige Heimreise erfolgte mit einem Taxi, das uns zum Preis der Bahnfahrkarten bis Landeck brachte.
Die Flugzeuge wurden schließlich am darauffolgenden Dienstag zurück nach LOWI gebracht.
Fazit: Eine wunderschöne Flugreise mit rund 18 Flugstunden, deren Fülle an Eindrücken wohl schwer zu überbieten ist. Die Teilnehmer dieses Ausflugs sind sich einig: Jederzeit wieder!
PS: Die problemlose Flugdurchführung und der unbürokratische Zutritt an allen 14 angeflogenen Flugplätzen und Flughäfen führte uns wieder vor Augen, dass der in Österreich praktizierte Flugplanzwang und die restriktiven Zutrittskontrollen unnötiges Unikum sind! Europa ist anscheinend doch nicht überall gleich.